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Die Post-Corona-Gesellschaft bleibt nicht mehr zu Hause

Di e Isol ati on, b egi nn en d i m Mä rz 2020, führte zur physischen Abgrenzung ( S o ci a l Di s tanci ng) und zeitgleich zu einer Welle des Wir-Gefühls. Der Tourismus kann hier eine verbindende Rolle einnehmen – also eine neue Begegnungszone bieten.E i n Erg e bn is, das auf einmal radikal die gesamte Nor ma lit ät verändert, wird mit Sicherheit auch das tour i sti sche Produkt in der Hotellerie nachhaltig beeinflussen und mitunter sogar neu definieren. Plötzlich wi rd a ll es infrage gestellt!N a c h de r A n gs t um den Kontrollverlust sowie einer damit einh e rg e he n den S c ho cks t a r r e u nd P an ik wir d einem klar, dass sich s eh r viele Werte und Grundorientierungen verschieben. Das koll ek ti ve T r auma, das unter anderem soziale Verzichte, eine mat e ri el le Det ox-Ph ase u n d ei ne v er st ä rkt e Solidarität zu den Mitm en schen mit sich bringt, wird nachhaltig einen noch nie da g ew es en en Paradigmenwechsel einleiten.I n sb es on d ere m ü ss en p o t e n zi el l e G ä s t e i n Zukunft noch gezielt er im Marketing angesprochen werden. Eine Diskussion über G lo b al isi e rung sowie ein neuer Schwerpunkt auf Zusammenha l t, V er ant w or tun g, Gemeinschaft und Familie werden in Zuku nf t die touristischen Werbeaussagen pr ägen. Weiters ist dav on a us zu g ehen, dass die Krise zu einem Turbo für den K l im as ch u tz wi r d.In unseren Botschaften müssen wir die hum an e Komponente verstärken. Die jetzt häufig gehörte kleine E rg ä n zu ng zu den üblichen Grußformen – „Bleiben Sie gesund“ – en th ä l t ga nz vi el Empathie und Mitgefühl. Die Gesundheit wird d ad urch auf eine höhere Stufe gestellt.In e i n e r s o l c h e n A u s nahmesituation wird man sich vorerst au f d e n Heim- bzw. Nahmarkt konzentrieren. Die vom Staat d u r ch g e f ü h r t e n Rückholaktionen von Österreichern aus fernen L ändern verursachen bei all jenen, die derzeit unter Isola t i o n stehen, alles andere als Fernweh. Die Öffnung der Grenze n f ü r d e n T o urismus dürfte wohl als eine der letzten Ma ß n a h m en a u f d e m W e g zur Normalisierung erfolgen. Im J a h r 2020 leiden die vom einheimischen Tourismus getriebenen Destinationen daher auch weniger als die international a usgerichteten.G ä s t e wollen in Zukunft ganz einfach ein Mehr an Sicherheit.D as ist es, was die Gäste hören wollen. Und bei Stammgästen l ä uft man ohnehin offene Türen ein. U n ter a nd er e m folgende Faktoren werden die Gesellschaft besc häftigen: • J e der wird sein eigener Zukunftsgestalter und hat neue Inspirationen und Denkanstöße für die Welt von morgen • Um wel t ve rantwortung und ehrliche Nachhaltigkeit • D i e N at u r w ir d noch verstärkter punkten • G es el lschafts- und Kulturkritik • Wi ed er e n td ec k ung des einfachen und reduzierten Urlaubs • Politisches und soziales Engagement • G er ec ht ig keit, neues Wir-Gefühl • G l eic hb e re cht i gu ng • Re fl ex i o n v on N ac hr i c ht en • E n tsc hl e un igu n g – „ i n de r Ru he lie g t die Kraft“ • A ut he n t i zi t ä t • D ie S eh ns u cht n ac h r eg io n a le n P r od ukten wird weiter a n st ei ge n • M it e inander – Gemeinsames Tun – 3-Generationen-Urlaub (E l ter n, Gr oßeltern, Enkel) • Das Büro daheim und im Urlaub – Veränderter Zugang zu r W o hn – un d Ar be it sw e lt • Z un eh me nd e Skepsis und Orientierungsprobleme hinsichtlich a k tu el le r Fe hl e nt wicklungen (z.B.K li ma w and el, M igration) • K ri t ische Haltung gegenüber PopulistenEi n e w e it e r e L ehre aus der Coronakrise: Künftig werden Mitarbe i t e r ni c h t f ü r j e d es Meeting ins Flugzeug steigen, sondern sich öf t e r über Video besprechen. Andererseits werden wir kaum un s e r e zu k ü n f t igen Privatreisen drosseln. Im Gegenteil: Wir werde n t e n de n z i e l l z w a r noch h äufiger unterwegs sein, dafür aber i m m er öfter auch wieder langsamer.Di e F r a ge i s t, wie stark einzelne Zielgruppen die jeweiligen Theme n b e s ch ä f t i g e n.A u c h wenn wir mit den Auswirkungen von C o r o n a noch in Monaten konfrontiert sein werden, wird sich das Grundgerüst an Werten, Lebenseinstellungen etc. der Mens chen nicht verändern, sondern bereits vorhandene Ausprägung e n eher noch verst ärken.Personengruppen, die bisher auf Nachhaltigkeit, Reduktion & A uthentizität gesetzt haben, werden das jetzt infolge noch mehrtun. Sie werden beim Angebot a uf ec h ten K l i m a s ch utz, sozia le G e re ch t igkeit in Bezug auf die Mitarbeiter sowie auf aut hentische Erlebnisse setzen.Z iel g ru pp e n, deren Werte sich rund um Individualismus, Freih eit und Multi-Optionalität a ufge b au t h aben, werden im Urlaub verstärkt auf Erlebni sse setzen.A nder e w ie d erum, die auch b isher einem traditionellen We rtekanon gefolgt sind, werd en d u rc h d ie Isolation und die damit einhergehenden (Exis te nz-) Ängste vermehrt die Z e it m it de r Familie suchen un d vor allem ein regionales un d lo ka l es Angebot präferiere n.We r fü r a ns pru c h s v o ll e Zi elgruppen attraktive Angebo te m ac h en will, muss sich in Zukunft vermehrt mit Slow-Trave l-Ko nz e pte n a us ein a n d e r se tz e n, st a tt die Nächtigungsrekorde we iter unbeirrt fortsetzen zu wollen. Längst fordern lokale In it ia ti v en einen qualitätsvolleren Umgang mit den touristischen Re ss ou rc e n, un d d ies e n e u e Gr u n dh al t ung wird sich in der Post-Co rona-Zeit mit Sicherheit verstärken.• Tempo drosseln• Vereinfachen• Weniger und bewusster ausgeben• Fuß fassen• Sich einfügen• Auf Fremde und Locals vertrauen• Dankbarkeit zeigen• Das Gewöhnliche wertschätzenF ü r d i e H o t e l l e r i e stellt sich ebenfalls die Frage, wie ein Betrieb n a c h dem Lockdown aus epidemiologischer Sicht zu organisier e n i s t.I n s b esondere müssen wir die Betriebsabläufe im Betrieb ü b e r d e nk e n : • W o u nd wie können Kontakte reduziert und jedenfalls das Z u s a m m e n s t r ö m en größerer Menschenmengen verhindert werden?• W e l c he Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und G äste und w elche zusätzlichen hygienischen Maßnahmen können ergriffen werden?• H y g i ene wird zum neuen Kriterium im Hotel (Mund-, Nasenschutz, Desinfektionsmittel, Glasschutz als neue Klassifizieru ngsmerkmale).• We lc he M a terialien müssen daher jetzt beschafft, welche Leist un ge n z uge ka u ft od e r w e lc he i nn er b etr ieblichen Schulunge n durchgeführt werden?• P f leg ep r od ukt e m i t v ir e n tö t en den Wirkstoffen gewinnen an Bedeutung.• B akt e ri en ab h a lt en de T e xti li e n werden vermehrt eingesetzt.Mi tt el fr i sti g i st ebenfalls zu berücksichtigen, dass die Covid-19 -Epidemie zu einer erheblichen Ver änderung bei der Art der Le i st ung s erbringung führt. Die Gesellschaft durchl äuft ein (unfr ei wi ll i ges ) „ Re alexperiment“, inwieweit sich beispielsweise Sc hulunterricht (weiter) in Form von „Distance Learning“ virtuali s ie ren lässt. Unter gewissen Umständen gilt dies auch für best im mt e P rod uk t io nsabläufe in anderen Bereichen der Volkswirtsc haft. Nach überstandener Epidemie wird es bei den Liefer- und L e i s t u ng s s t rukturen mithin keine Rückkehr zum Status quo ante g e b e n.V i e l m e h r i st ein markanter Schub an Prozessinnovation e n durch Digitalisierung und Virtualisierung zu erwarten.&kommentarkommentarA u sg e re chnet A u sg e re chnet3030Wir müssen in unseren Botschaften die humaneKomponente verstärkenMö g l i c h e E r k enntnisse aus der KriseDeR AutoRT h om a s R e i s e n z a h n ist akadem. geprüfter T o u r i smuskaufmann, Betriebsökonom, d u r c h l i e f i n seiner Laufbahn alle Bereiche des Hotelgewerbes. Er war a u ß er d e m G eneralsekretär der Ös t e r r e ic h i sc h e n H oteliervereinigung ( Ö H V) und ist derzeit Geschäftsführer und Gesellschafter der Prodinger Be ratungsgruppe.www. prodinger. at3 1Das Reiseleben „nach Corona“ wird neue Prinzipien mitsich bringen:A us g er echnetkommentar

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