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Was bleibt, ist Stückwerk

Das Endeder Regierung Kurzlässtdie Tourismusbetrieberatloszurück: Vieles, wasals Erfolggefeiertwurde, istnochgar nichtbeschlossen–von Steuerentlastungenüber Almsicherheitund Airbnb-Infopflichtbiszu Mitarbeiter-Bonifikationen.. Zumindest Ibiza hat das rasche Endedertürkis-blauen Koalitiontouristischweitergebracht. So viel Gratiswerbung als Urlaubsdestination bekommt man selten. Österreichs Branchenvertreterausder Hotellerie dagegen sortieren inzwischendie Scherben.„Dabei hat es mit der Regierung einen Superstart gegeben, aber jetzt steht die gesamte Steuerreform auf Halt“, sagt die Branchensprecherininder Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher, und verweistauf Unerledigteswiedie Senkung der Körperschaftssteuer (KÖSt) und die für die kleinen Betriebe des Gastgewerbesnochrelevanteredeutliche Erhöhung der Obergrenze für „geringwertige Wirtschaftsgüter“. Geplant war, die Verhandlungen zu kürzeren, der realen Nutzungsdauer angepassten Abschreibungszeiten im Herbst voranzutreiben. „Leider fehltbeivielen Maßnahmennoch ein Stückerl“, sagt Nocker-Schwarzenbacher. Sie hofft, dass Türkis-Blau die Steuerreform noch durch das Parlament bringt, „sonst ist abgesehen von Mehrwertsteuersenkung und Arbeitszeitflexibilisierungfastallesweg“.Inzwischenversuchtmanim Ministerium die neue Tourismusstrategie „Plan T“ weiter umzusetzen.Entgegen anderslautenden Meldungen hat die aktuelle Ministerin Maria Patek das komplette Bundesministeriumfür Nachhaltigkeitund Tourismus übernommen. Obwohl Elisabeth Udolf-Strobl als neue Wirtschaftsministerin bis vor zwei Jahren oberste Tourismusbeamtin war. „Ich habe meiner Vorgängerin gratuliert, aber in den Strukturen im Hause hat sich nichts verändert“, erklärt Tourismus-Sektionschefin Ulrike Rauch-Keschmann.Manseigeradedabei, denaktuellen Standderfürden Plan TrelevantenMaßnahmen zu evaluieren. „Nur woesin Richtunggesetzlicher Umsetzung geht, drücken wir die Pause-Taste“, sagt Rauch-Keschmann undverweistauflaufende Aktivitäten. So sei der fixierte Tourismus-Innovationspreis für Mitarbeiterführung bereits ausgeschrieben.„Für die Klima- und Energiewende-Modellregionen geht der Call in Kürze raus, und auch Arbeiten am Umweltzeichen laufen“, sagt die Sektionschefin. Doch budgetwirksame Themen wie die neuen ÖHT-Förderungenab2021oderauchdas Budget der Österreich Werbung 2020 liegen beim Finanzministerium und sind somit offen. Selbst breitkommunizierte Erfolgewiedie „sicheren Almen“ sind noch nicht Realität, fehle dort doch noch die gesetzliche Tierhalterhaftung.Vieles hängt aber an der Steuerreform, die noch nicht das Parlament passiert hat. So beklagt die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV), dass damit auch die Registrierungspflicht für Sharing-Hostsoffenist. „Die Gefahrist, dass dringend notwendige Impulse auf die lange Bank geschoben werden.Wir brauchen aber schnell wieder Stabilität“, sagt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. Die Informationspflicht für Airbnb-Gastgeber ist einer der Nebenschauplätze, die im Steuerpaketenthaltensind.Eher wenig Aufmerksamkeit hat die darin enthaltene steuerfreie Mitarbeiterbonifikation von maximal 3000 Euro pro Mitarbeiter und Jahrerhalten. „Diesisteinwichtiger Schrittfürdie Dienstleistungsbranche. So können Prämiensysteme sehr gut steuerneutral abgewickelt werden“, erklärt der Geschäftsfüh- rerder Prodinger Beratungin Wien, Thomas Reisenzahn. Selbst wenn durch die häufig saisonale Beschäftigung in Hotels hier noch viele Unklarheiteninder Bemessungsgrundlage für diesen Bereich bestehen. Regelungen, die steuerschonende Gehaltserhöhungen und die Bevorzugung von Besserverdienern verhindernsollen, warenbeiden Mitarbeiterbonifikationen noch in Ausarbeitung. Dieweiterhinim Gastgewerbe übliche Unsitte, Nettolöhne zu vereinbaren, hätte bewirkt, dass diese eigentlich direkt bei den Mitarbeitern wirksam werdende Steuerreduktion die Lohnnebenkosten der Betriebe gesenkt hätte. „Wir haben auch alle Erhöhungen immer beidseitig getragen. Und mir wäre ohnehin lieber, die gesamte Branche würde Bruttojahresgehälter kommunizieren“, sagt Nocker-Schwarzenbacher.Bei der Frage des Arbeitsmarktes sieht sie ebenfalls noch Lücken: „Die Rot-Weiß-Rot-Card-Verbesserungen sind meines Wissens auch noch nicht beschlossen. “ Fix sei zumindest das erweiterte Saisonnierskontingent, das aber trotzdem nur 0,5 Prozent des Arbeitsmarktes abdecke. „Wir haben aber einen jährlich steigenden Mitarbeiterbedarf von zwei Prozent“, führt Nocker-Schwarzenbacher an. Dass andererseits bestens ausgebildete Lehrlinge wieder abgeschobenwerden, betrachtetsie als Unfug, der vielleicht in den nächsten Wochen Geschichte sei.„Aber im Zweifelsfall ist mir lieber, wenn vor den Wahlen nur Bestehendeskonsolidiertwirdundnicht wiederin Wahlkampfpanikeinteures freies Spiel der Kräfte losgeht“, sagt Nocker-Schwarzenbacher und hofft, als Branchenvertreterin bei den nächsten Regierungsverhandlungen wieder direkt die Wünsche aus der touristischen Praxis einbringenzukönnen.FREDFETTNERSALZBURG„Ohne Steuerreform fastallesweg. “Petra Nocker-SchwarzenbacherCK.ADOBE.C: S

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