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Vorschläge zur Absicherung von Tourismusbetrieben

Es ist nicht abzusehen, wie lange es dauern wird, bis eine Planungs- und betriebsf ührungssicherheit für tourismusbetriebe wieder gegeben ist. Es muss also in diesen unsicheren Zeiten dringend das Eigenkapital in den Unternehmen gestärkt werden.N ach der Schweiz haben Deutschland und Belgien jetzt Wien wegen der gestiegenen Infektionen zum Risikogebiet erklärt. Dänemark gab sogar eine Reisewarnung für ganz Österreich ab. Reisende, die aus Österreich und anderen auf der „roten Liste“ stehenden Ländern zurückkommen, müssen sich ab sofort einem Covid-Test unterzieh en. Diese Einschränkung der Reisefreiheit macht deutlich, wie vol atil der nächste Winter für die Tourismuswirtschaft sein wird.Eigenkapital: Es ist wichtig, abseits der Konsumentenents cheidungen die finanzielle Situation der Betriebe rasch zu verbessern. Die Eigenkapitalquoten der österreichischen Unternehmen werden sich in den nächsten Monaten weiter verschlechtern. Deshalb wäre eine Eigenkapitalstärkung gerade jetzt ein Überlebenselixier für die Betriebe, von denen bekanntlich viele mit dem Rücken zur Wand stehen.Viele Hotelbetriebe haben aufgrund der Erlöseinbrüche und der h istorischen geringen Eigenkapitalquote Probleme mit der Bon ität. Das geringe Eigenkapital ist zum Teil durch niedrige Buchw erte der Hotelliegenschaft bei erheblichen stillen Reserven bedingt.Das Problem der geringen Eigenkapitalquote wird sich durchdie Covid-19-Krise nochmals deutlich verschärfen. Aus dieser Bilanzsituation heraus gab es bereits in den letzten sechs Monaten Schwierigkeiten bei der Erlangung von Überbrückungsfinanzierungen. Auch wird das Bilanzbild durch die Coronakrise so negativ verändert, dass eine strukturell sinnvolle Betriebsn achfolge nicht mehr möglich erscheint.Aufwertungsmöglichkeit: Eine Aufwertungsoption auf den Verkehrswert der Liegenschaften sollte unbedingt eingeführt werden. Durch eine solche Bewertung von Grund und Gebäude mit den Verkehrswerten ließen sich richtigere Werte in den Jahresabschlüssen darstellen.Hier schlagen wir eine befristete Übergangsregelung bis 31. 12. 2022 vor, wonach das Vermögen mit dem Viertel-Steuersatz (Einzelunternehmer und Personengesellschaft: 12,5 Prozent; Kapitalgesellschaft: 6,25 Prozent) begünstigt aufgewertet werden kann und die Bilanzen das echte Eigenkapital aufweisen. Dies würde die Bonität stärken und langfristig die Abschreibungsbasis erhöhen! Die Steuer soll auf sieben Jahre verteilt zu bezahlen sein.Betriebsübergaben: Für die vielen anstehenden Betriebsübergaben wäre eine Aufwertungsoption eine wesentliche Erleichterung. Da die Bereitschaft zu Betriebsübernahmen im Tourismus ohnehin rar ist, soll ähnlich dem Abschmelzmodell der deutschen Erbschaftsteuer die Steuerbelastung überhaupt wegfallen, wenn der Betrieb zumindest sieben Jahre vom Nachfolger fortgeführt wird. Die Steuer auf den Aufwertungsgewinn soll so gestaltet sein, dass sich jährlich die Steuer um ein Siebentel reduziert, wenn der Betrieb fortgeführt wird. Somit besteht nach sieben Jahren keine Steuerbelastung aus der Aufwertung mehr. Der Übernehmer hat echtes Eigenkapital in der Bilanz und eine hohe Abschreibungsbasis. Diese Regelung soll unbefristet gelten.Betriebliche Exit-Szenarien steuerlich ermöglichen: Eine Betriebsaufgabe ist oft mit hohen steuerlichen Belastungen verbunden (Versteuerung stiller Reserven), sodass „Zombieunternehmen“ noch jahrelang fortgeführt und die gesunden Unternehmen preislich massiv unterboten werden. Findet sich kein Käufer, muss die Steuer aus privaten Mitteln aufgebracht w erden.Unser Vorschlag ist eine befristete Regelung, die zur notwend igen Strukturbereinigung eine steuerfreie Betriebsaufgabe bis 31. 12. 2022 ermöglicht. Dies stärkt die lebensfähigen Betriebe und verhindert Insolvenzen.Ab 1. 1. 2023 soll die Betriebsaufgabe mit einem Viertel-Steuersatz belastet sein, da sich die stillen Reserven oft über lange Z eit aufgebaut haben und entsprechend Scheingewinne aus der G eldentwertung zu versteuern sind. Derzeit ist lediglich b e i Steuerpflichtigen über 60 Jahren und kompletter Einstellung d er Erwerbstätigkeit der halbe Einkommensteuersatz möglich.Diese Restriktion ist unbefristet zu streichen um die Strukturkonservierung aufzubrechen.Die Finanzierung mit Eigenkapital wird gegenüber der Finanzierung mit Fremdkapital diskriminiert!Eigenkapital nicht mehr steuerlich benachteiligen! Ein Grund für die geringe Eigenkapitalquote in der Hotellerie besteht darin, dass Fremdkapital, also Kredite, steuerlich bevorzugt wird. So kann ein Unternehmer die Kosten des Kredites steuermindernd absetzen. Setzt der Unternehmer allerdings sein eigenes Geld ein, so muss er höhere Steuern zahlen. Die Regierung sollte daher nicht nur die Zinsen auf Fremdkapital, sondern auch eine marktübliche Verzinsung des Eigenkapitals steuerlich abzugsfähig machen.Keine Ungleichbehandlung von Zinsen beim Empfänger: Unternehmer und Privatpersonen sind bereit, in die Hotellerie zu investieren und Kapital von außen zuzuführen. Es würde viele Unternehmer geben, die ihren eigenen Betrieb stärken möchten. Wer aber sein Kapital einbringen möchte, wird steuerlich benachteiligt: Wer Geld beispielsweise in Staatsanleihen investiert zahlt 27,5 Prozent Kapitalertragssteuer (KESt). Für die Zinsen aus einem dem Betrieb gegebenen Privatdarlehen müssen Anleger hingegen die volle Einkommensteuer, also bis zu 55 Prozent, bezahlen. Ein Privatdarlehen sollte daher ebenfalls mit 27,5 Prozent besteuert werden. Diese Regelung käme allen Wirtschaftsbetrieben zugute.Rechtsformneutralität der Besteuerung nicht entnommener Gewinne: Für Gewinne in Kapitalgesellschaften fallen 25 Prozent Körperschaftsteuer (KÖSt) an und bei der Gewinnausschüttung 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt). Dieses System sollte auch auf Einzelunternehmer und Personengesellschaften ausgeweitet werden, um mehr Anreize für eine Eigenkapitalbildung zu schaffen. Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften sollten die im Unternehmen verbleibenden Gewinne mit 25 Prozent besteuert und erst bei einer Entnahme ins Privatvermögen ähnlich der Kapitalertragssteuer (KESt) bei Kapitalgesellschaften behandelt werden.&kommentarkommentarAusgerechnet Ausgerechnet4242ER au To RThomas Reisenzahn ist akadem. geprüfter Tourismuskaufmann, Betriebsökonom, durchlief in seiner Laufbahn alle Bereiche des Hotelgewerbes. Er war außerdem Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und ist derzeit Geschäftsführer und Gesellschafter der Prodinger Beratungsgruppe.www. prodinger. at43Ausgerechnetkommentar

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