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Stress mich nicht

Ein Stresstest fördert den guten Schlaf von Unternehmern und dient zur Bestimmung der Widerstandsfähigkeit von Betrieben in extremen Situationen.S tresstests sind bei Banken gesetzlich vorgeschrieben. Mittels hypothetischer Simulationen zeigen sie auf, welche Auswirkungen bestimmte Szenarien auf die Ertrags- und Eigenkapitalsituation haben. In der Hotellerie sind solche Szenario-Analysen betrieblicher Risikofaktoren noch eher eine Seltenheit. Dennoch können Stresstests auch in dieser Branche Schwachstellen aufdecken, die bei einer tatsächlichen Marktstörung möglicherweise existenzielle Auswirkungen auf die unternehmerische Robustheit des Betriebes hätten. Insbesondere sollten Szenarien wie steigende Zinsen, Erhöhung der Kommissionen für Reiseplattformen, Anstieg der Mitarbeiterkosten oder eine Kombination davon unter die Lupe genommen werden. Für den Unternehmer ist es wichtig, bei Eintreffen solcher ungünstigen Situationen die richtigen Antworten und Handlungsspielräume zu finden. In der Praxis kann der Unternehmer durch Preiserhöhungen und Auslastungssteigerungen teilweise gegensteuern. Ferner könnten auch die operativen Ausgaben reduziert werden.Zur Veranschaulichung wurden die Bilanzdaten eines Beispielbetriebes (4/5 Sterne, Ferienhotel, Medianwerte) auf Stressresistenz untersucht. Es wurde ein Zinsanstieg von 2 Prozentwie auch bei Banken üblich, sowie ein Anstieg der Kommissionen von Reiseplattformen um 2 Prozent angenommen. Als weiterer angenommener Risikofaktor erhöhen sich die Mitarbeiter-kosten um 3,5 Prozent. In den Berechnungen wurden ganz bewusst die realen Werte der Einnahmen und Ausgaben verwendet, um eine objektive Vergleichbarkeit zu erzielen.Ein heute gesunder Betrieb mit einer akzeptablen Entschuldungsdauer von 14 Jahren würde bei dem simulierten „Dreifachschock“ im sehr kritischen Bereich von 20 Jahren landen.Diese längere Entschuldungsdauer würde eine Reorganisation des Betriebes erfordern. Es ist zu hoffen, dass die niedrigen Zinsen nicht so schnell anziehen, aber eine simulierte Vorausschau schadet nicht.Thomas Reisenzahn ist akadem. geprüfter Tourismuskaufmann, Betriebsökonom, durchlief in seiner Laufbahn alle Bereiche des Hotelgewerbes. Er war außerdem Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und ist derzeit Geschäftsführer und Gesellschafter der Prodinger Beratungsgruppe.www. prodinger. atDreifachschock mit + 2 % Zinsen, + 2 % Provisionen, + 3,5 % Mitarbeiterkosten ergibt einen negativen Liquiditätssaldo!DEr AUTor

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