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Nur die Hotel-Elite räumt ab

Relativunabhängigvonsichwandelnden Rahmenbedingungenwirddasstolze Bildderösterreichischen Hotellerievon einerschmalen Oberschichtgeprägt. Darunterraufensich90Prozentder Betriebeumdieverbleibende Hälftedes Umsatzes.Das Bilddermitallerlei Luxus aufwartenden, von Gästen gestürmten und wirtschaftlich erfolgreichen österreichischen Ferienhotels ist trügerisch. Den Großteil des Kuchens teilen sich nur wenige.„Ganze zehn Prozent der Betriebe erzielen 30 Prozent der Übernachtungenunddie Hälftedergesamten Wertschöpfung in der Hotellerie“, hat die Prodinger Tourismusberatung in ihrer jüngsten Analyse „Taten statt Worthülsen“ errechnet.Diese Betriebe sind dabei keineswegs immer in Topdestinationen anzutreffen. Hotels wie das Hochschober auf der Turracher Höhe, das Forsthofgutin Leogang, das Retter in Pöllauberg oder der Stanglwirt bei Going zeigen, dass man nicht unbedingt in einer Topdestinationliegenmuss, uminder Oberliga mitzuspielen.Warum gelingt einigen, woran die Mehrheit offenbar scheitert? In der Regel braucht es Generationen, um diese Stärke zu erreichen. Zwar dominieren in Wien mit 59 Prozent die Hotelketten, doch österreichweit sind weiterhin 86,2 Prozent der Hotels reine Familienbetriebe.Gerade darin sieht etwa Peter Hettegger senior – mit den Hotels Edelweissin Großarlund Berchtesgaden ein typischer Vertreter der Hotel-Elite – die absolute Stärke. 14 Hetteggers sind aktuell im für diesen Wintererweiterten Hausin Großarl anzutreffen. Die Schere„Hinterjederbaulichen Maßnahme steht eine starke Vision. Oft entwickeln und diskutieren wir über mehrere Jahre, dann wird aber rasch gebaut“, erklärt Hettegger.Eine Chance auf Erfolg gebe es aber auch nur dann, wenn auch alle Mitarbeiter die Vision lebten und die Umsetzung stimmig sei.Das gelingt nicht jedem. Die Branche habe über Jahre zu viel in ein Hotelprodukt investiert, für das Gäste nicht mehr bereit seien, entsprechend zu bezahlen, sagt Pro- dinger-Geschäftsführer Thomas Reisenzahn. Erverweistaufeinebemerkenswerte Statistik: In den vergangenen acht Jahren wuchs die Zahl der Betten in der gehobenen Vier-und Fünfsterne-Hotellerieum rund 16 Prozent, doch dafür mussten 21 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigt werden. Für den Generalsekretärder Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer, ist dies auch ein Zeichen für die zunehmend größer werdende Schere zwischen dienstleistungsorientierten Tophotels und den wenig Arbeitsplätze schaffenden Budgethotels und Apartmentanlagen.Investitionslust ist das Um und Auf der Luxushotellerie. Im Fünfsterne-Luxusressort Edelweiss in Großarl sind 7000 Quadratmeter Wellnessbereich samt Außenbecken und Indoor-Rutschenpark neu. Das Geld für die getätigte Investition wieder reinspülen sollen 35 edle Suiten sowie eine 120 Quadratmetergroße Topsuiteimachten Stock. Die Substanz und Wirtschaftlichkeit der Hettegger-Betriebe hält derartige Investitionsschübe aus. Andere tun das nicht: Seit2007 hat sich die Zahl der Hotelbetriebe in Österreich um 15 Prozent reduziert, die verbliebenen bieten nun aber jeweils um gut ein Viertel mehr Zimmer an. Trotzdem verfügen 73 Prozent der Anbieter noch immer über weniger als 100 Betten.Wobei Hettegger warnt, nur in der Größe das Allheilmittel zu sehen.So wie die Prodinger Tourismusberatung viele ihrer Kunden in den obersten zehn Prozent wiederfindet, sieht auch die ÖHV eine große Deckungsgleichheit mit ihren derzeit 1500 Mitgliedsbetrieben: „Wir schaffenes, die Komplexitätdes Geschäfts so weit zu reduzieren, dass sich die Hoteliers auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“, sagt Markus Gratzer. Partner sind dafür auch junge Unternehmen. So wird künftig das Berliner Start-up Hotelhero als Metaplattform für Hotelsoftware den ÖHV-Mitgliedern unter 500 Anbietern die passende Lösung empfehlen.Wenig überraschend sieht die Hotellerie als wichtigste strukturelle Notwendigkeitdie Entlastungder Arbeitskosten. „Seit2017istbeiden Lohnkosten nichts Wesentliches umgesetzt worden. Und es kannfrühestens 2021 wirklich etwas kommen“, beklagt Reisenzahn weitere vier vergeudete Jahre. Prodinger errechnete, dass eine vom Mitarbeiter gewünschte Nettolohnerhöhung von 100 Euro dem Unternehmen226Eurokoste. Das Modell basiert auf einem Bruttogehalt von 2500 bis 3000 Euro. Dass die ÖHV keine Lust auf Vermögensbesteuerung hat, verwundert angesichts des kapitalintensiven Hotelgewerbes nicht. ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer sieht neben einer generell günstigeren Steuerquote in Ökosteuern das „schlauere Instrument“.Wer über schlechte Rahmenbedingungen klagende Branchenvertreter hört, wundert sich, wenn Paradeunternehmerwie Hetteggerein durchaus positives Weltbild zeichnen. Zwar sei die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern die größte Herausforderung, das Standing seinermodernen Betriebemache Hettegger die Sache aber leichter: „Wenn die Gesamtsituation und die Arbeitsgesetze nicht schlechter werden, bin ich schon zufrieden.Man muss sich ohnehin immer nach der Decke strecken. “Eingutes Hauswächstüber Generationen, sowiebeiden Hetteggersaus Großarl(im Bild). Mehrals85Prozentder Hotelsin Österreichsind Familienbetriebe.FREDFETTNERWIEN.„Die Schere gehtimmer weiterauf. “Markus Gratzer, ÖHV-GeschäftsführerBILD: SN/ROBERT RATZER

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