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Nichts Ist mehr so, wie es einmal war

Nächtigungszahlen, die nur eine Richtung kannten, nämlich jene nach oben. Ein Tourismus, Gästeumverteilung feilten, um dem Massentourismus entgegenzuwirken. Vor etwas mehr alsUnd dann kam Corona.Gäste mit der Maske bis zum Pool wandern müssen, und andererseits: wollen wir das überhaupt? Wieder zurück zu einem Irrsinn an Massentourismus und Nächtigungszahlen als alleinige Parameter?Die Vollbremsung der Pandemie hat zwar eine kurzfristige Schockstarre bewirkt, aber sehr bald auch dazu geführt, dass Verantwortliche über Jahre etablierten Kennzahlen im Tourismus neu hinterfragen. Daraus resultierend, so viel kann schon gesagt werden, haben sich Qualität und eine gewisse Langsamkeit als neue Konstante etabliert.Wir haben uns bei Experten im Tourismus und der Hotelbranche umgehört und sie nach ihren Meinungen und Prognosen zum künftigen Tourismus befragt.homas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung hat postwendend, nachdem das Öffnungsdatum bekannt war, zwei Termine für Fortbildungsveranstaltungen unter dem Motto „Zurück auf die Erfolgsspur“ angesetzt.Denn die derzeitige Situation ist für die Hotellerie eine unglaubliche Herausfor-derung. Für GASTRO hat er uns einiges dazu verraten.Prodinger sieht einen Paradigmenwechsel: Plötzlich wird alles in Frage gestellt! Nach der Angst um den Kontrollverlust sowie einer damit einhergehenden Schockstarre wird einem klar, dass sich sehr viele Werte und Grundorientierungen verschieben und einen Paradigmenwechsel einleiten. Was die Hotelbetreiber betrifft, so müssen, laut Reisenzahn, potentielle Gäste in Zukunft noch gezielter im Marketing angesprochen werden. Zielgruppen-Definition ist also oberstes Gebot. Eine Diskussion über Globalisierung sowie ein neuer Schwerpunkt auf Zusammenhalt und Verantwortung werden in Zukunft die touristischen Werbeaussagen prägen. Weiters ist davon auszugehen, dass die Krise zu einem Turbo für den Klimaschutz wird. „In unseren Botschaften müssen wir die humane Komponente verstärken“, so Reisenzahn.www.prodinger.atgeschehen und wer hier nachvollziehbare Strategien vorweisen kann, hat gewonnen.Wie aufwändig das aber ist, zeigt allein das Hochfahren eines Betriebes, wie Dr. Klaus Ennemoser von gleichnamiger Wirtschaftsberatung und Hotelier erklärt: „In meinem Hotel mit 71 Zimmern arbeiten 17 Leute 10 Tage lang“.Wellnesshotels und Thermen sind noch einmal mehr gefordert, denn für deren Bereiche gelten nochmals verstärkte Hygieneauflagen, die meist mit Medizinern und Hygieneexperten umgesetzt werden. Gut die Hälfte der Thermenhotels richtet eigene Teststraßen ein, wie auch die Heiltherme Bad Waltersdorf und Geschäftsführer Gernot Deutsch verweist auf ein ganzes Maßnahmenbündel wie regelmäßige Antigen- oder PCR-Tests für Mitarbeiter und Gäste und generell höhere Hygiene-Standards „Sicherheit geht vor“, so Deutsch. Die Heiltherme Bad Waltersdorf informiert ihre Gäste auch laufend auf ihrer Homepage zu den aktuell geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen. Testmöglichkeiten werden in den Empfangsbereichen eingerichtet, wo3 EINE GASTRO 3das 4-Augen-Prinzip gilt. Wichtig für den reibungslosen Ablauf ist ein gutes Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern und Gästen.Auf die Frage nach der Entwicklung in der Hotellerie, gibt die ÖHV, als deren Interessensvertretung an, dass im Jahr 2020 durchschnittlich 1.118.171 € weniger investiert wurde als geplant. Die doch getätigten Investitionen flossen oft in die Wellnessbereiche der Hotels, wie zum Beispiel beim Hotel Klosterbräu in Seefeld, wo rund drei Millionen Euro in den Spabereich flossen. Auch das Salzburger Life Resort Lürzerhof ließ sich seine Spa-Erweiterung über fünf Millionen kosten.Im Quellenhotel der Heiltherme Bad Waltersdorf wurden in den letzten Monaten insgesamt vier Millionen Euro in eine völlig neu gestalteten Hotel-Lobby, Der Lürzerhof.Übernahme-KarussellWas Pleiten betrifft, so sind große zwar bisher ausgeblieben, aber noch:ist nicht aller Tage Abend, wie Martin Schaffer, Geschäftsführer und Partner der mrp-Hotels meint. Das Übernahme-Karussell dreht sich aber schon: Georg Imlauer hat das Schloss Pichlarn übernommen und Hans Peter Haselsteiner den Knappenhof. Eine der großen Rochaden diesen Jahres sind die Vienna House Hotels: Fast die Hälfte des Portfolios ging im Jänner an die Berliner Hotelbetreiber HR Group. 23 Hotels, darunter 20 aktive Betriebe sowie drei in der Entwicklung befindliche Häuser. Laut Schaffer sind wirklich große Übernahmen bisher ausgeblieben, werden aber definitiv noch kommenLockdownphasen im Betrieb gehalten.Was sich als großes Problem der Zukunft erweisen wird, ist die zurückgefahrene Lehrlingsausbildung aufgrund der Schließungszeiten. Denn gerade in der Gastronomie und Hotellerie ist die Praxis „am Gast“ ein wesentlicher Faktor. Da aber Recruiting für die Betriebe nichts Neues ist, kann man hier sicherlich auf Tools & Incentives wie Mitarbeiterwohnungen, Nutzung der hoteleigenen Anlagen etc. zurückgreifen, so die Experten. Wichtig wird sein, dass man es schafft, die Mitarbeitermobilität in Österreich zu steigern. Programme, wie „ticket2west“, die neue Arbeitsmarktinitiative der Bundesregierung für mehr Mobilität, sollten dabei dringend auf den Tourismus ausgedehnt werden, so ein Wunsch der ÖHV.Welche Betriebe werden mit welchem Konzept überleben?Eine Pauschalaussage dazu ist laut Schaffer nicht möglich. Das hängt immer mehr von Lage, Produkt, Zielgruppen, Gästesegmenten und Entwicklung einzelner Frequenzgeneratoren ab. Zudem muss deutlich zwischen Ferien- und Stadthotellerie unterschieden werden. Herausfordernde Produkte sind langfristig auf jeden Fall Konferenzhotels mit riesigen Flächen, Flughafen-hotels und Megahotels mit über 300 Zimmern und die Sorgenkinder Geschäftsreisen und der Städtetourismus.Für Dr. Klaus Ennemoser von der Wirtschaftsberatung Ennemoser sind kulante Buchungsbedingen das relevante Modul. „Denn die Branche ist weitgehend optimistisch, da sich die Buchungslage für den Sommer 2021 gut entwickelt hat“, so Ennemoser. Wichtig ist das Sicherheitsgefühl für die Gäste, welches nicht nur allein an Hygienemaßnahmen hängt, sondern auch an einem kulanten Umgang mit Stornobedingungen und der Akzeptanz von zwischenzeitlich allfällig abgelaufenen Gutscheinen. „Das Reisen braucht künftig mehr gegenseitiges Commitment von Hotelier und Gast: Denn auch der Gast trägt durch Tests und Impfung bzw. Genesung aktiv dazu bei, dass „sein“ Urlaubserlebnis (überhaupt) stattfinden kann“, so der Experte.www.ennemoser.atDas Coronajahr schlägt sich auch in den Zahlen deutlich nieder, denn laut ÖHV ist der Umsatz im Vergleich zum Jahr vor der Krise um 2,67 Mio. Euro zurückgegangen. Mehr zu künftigen Hotelkonzepten in unserer nächsten Ausgabe mit dem Schwerpunkt Tourismus und Hotelkonzepte-Spezial.Foto: Prodinger3 GASTROHEN5/2021nd nichts mehr war so wie zuvor.Die Wirtschaft brach ein und an vorderster Front der Tourismus, als eine der am stärksten betroffenen Branchen. Viele Hilfspakete und noch mehr Schließungsmonate später, scheint nun endlich wieder so etwas wie ein Stück Normalität in der Branche einzukehren.Wobei: Ist es wirklich Normalität, wenn(TE EEE EEEGesellschaftlicher ParadigmenwechselThomas Reisenzahn, Prodinger Tourismusberatung.Ein Mehr an SicherheitDas ist es, was die Gäste wollen. Dieser Aspekt dominiert das gesamte Urlaubs-wie es einmal warder den Begriff „over“ als einziges Problem hatte. Und Touristiker, die an Strategien der einem Jahr gehörten diese Trends zum Selbstverständnis im Tourismusland Österreich.Von Petra PachlerO9 ga anFoto: SalzburgerLand TourismusHotellerieRuhezeiten für Investitionen nützen©©©Ncc5 ©S=QSN3SnSs©xA o=Hotel Klosterbräu Spaeine Photovoltaikanlage, den Außenbereich und in die neuen Terrassen investiert. Inklusive eins klaren Bekenntnisses zur Regionalität, denn die Umsetzung erfolgte ausschließlich durch regionale Fachfirmen. Nachhaltigkeit ist das Credo der (Hotel-)Zukunft.Foto: Stephan Elsler588u.LMDer Kurzarbeit sei Dank!Kein Tourismus ohne Mitarbeiter und das probateste Mittel, um sie zu halten, war und ist definitiv die Kurzarbeit. Das hat viele trotz der langenKlaus Ennemoser von der Wirtschaftsberatung Ennemoser.Foto: Ennemoser

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