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Mini Bar, Maxi Chance

CHANCE

Wie wäre es damit? Sie checken ein ins »W London« und die freundlichen Mitarbeiter rollen eine »Mega Bar« in Ihr Zimmer. Richtig gelesen. Mega Bar. Nicht Maxibar – das kennt man von den Hotelfluren. Mega! Eine vollständige Cocktailstation, plus Soundsystem, plus Diskokugel, plus Barkeeper. Das mag ein bisschen over the top sein, aber entspricht dem Zeitgeist. Dem Faktor Erlebnis. Das geht auch eine Nummer kleiner. Etwa mit speziellen Minibar-Produkten, die den Schlaf fördern oder der Regionalität frönen. »Tiroler Kola statt Coca Cola – thats the new feeling!«, macht etwa Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Tourismusberatung Prodinger klar. Dem entgegen steht natürlich die Bekanntheit globaler Marken, hier heißt es abzuwägen, welche Klientel man anspricht. Oder ansprechen möchte. Die Minibar, die in den 1960er-Jahren von einer deutschen Firma entwickelt worden sein soll, hat harte Zeiten hinter sich. Reisenzahn verwendet das Wort »Hassliebe«.Bei einer 2014 durchgeführten »Trip Advisor«-Umfrage wurde die Minibar zum unwichtigsten Hotel-Feature überhaupt gekürt. In den Jahren 2007 bis 2012 sollen die Minibar-Umsätze – zumindest am US-Markt – um 28 % gefallen sein (Quelle: PKF Hospitality Research). Viele Hotelketten, die in den 1970er- und 80er-Jahren die ersten waren, die diesen Service anboten, leerten die Minibar und stellten sie den Gästen als Kühlschrank zur Verfügung.Nur wer ein 5-Sterne-Hotel führt, hatte den zumeist schwarzen Kubus verpflichtend zu installieren. Aber auch hier ist Reisenzahn unerbittlich realistisch: »Sterne sind ein Relikt aus der Vergangenheit und haben an Glanz und Bedeutung verloren. « Abgesehen davon: »Wenn die Zimmer kleiner und effizienter gestaltet werden, ist kaum mehr Platz dafür.« Und trotzdem: der Minibar wurde nicht der letzte Stecker gezogen, wie man vielleicht meinen könnte. Im Gegenteil, wie eine Recherche schnell ergibt und auch Jan Haas, Marketing & Sales bei Dometic bestätigt: »Wir haben in den letzten Jahren häufig die Beobachtung gemacht, dass Hoteliers die Minibar abschaffen und später wieder neu kaufen, weil sich die Gäste beschwert haben. Eine Mindestanforderung ist die Kühlmöglichkeit im Zimmer, um gegebenenfalls auch Medikamente zu lagern.« Und weiter: »Da immer mehr Menschen auf eine gesunde Ernährung achten, werden oft auch Milchprodukte, Smoothies und Shakes mitgebracht.« Auch Reisenzahn denkt ähnlich, wenn er sagt: »Nüsse und Mandeln werden durch Trockenfrüchte und Energieriegel ersetzt.« Beide Experten sehen die Minibar im Zimmer auch als perfekte Ergänzung einer Maxibar – oder eines Verkaufautomaten – in den allgemein zugänglichen Hotelräumlichkeiten. Die Minibar im Jahr 2019 ist auch kein »im Stand-by lärmendes Ungetüm, das viel Hitze abstrahlt und das kein Mitarbeiter befüllen und abrechnen will« (O-Ton Reisenzahn, in Erklärung der »Hassliebe«). Der Vermarkter hierzu: »Eine gute Minibar ist 100 % lautlos, entscheidend ist jedoch die Kühltechnik. In Hotelzimmern wurden bisher fast ausschließlich Absorber-Kühlgeräte eingesetzt. Seit einigen Jahren kommen verstärkt thermoelektrische Minibars zum Einsatz. Diese Geräte sind ebenfalls lautlos, in der Anschaffung relativ günstig und haben einen beispielhaften Energieverbrauch.« Gerade letzteres sollte man in Zeiten, in denen Hotels sehr wohl mit Nachhaltigkeit punkten können, nicht außer Acht lassen. Sensorische Minibars, die den Konsum – zumindest theoretisch – automatisch vermerken, haben sich laut Haas nicht durchgesetzt.Zwar mögen 84 % von 500 befragten Hoteliers weltweit (Quelle: lastminute. de) schon von ihren Gästen in punkto Minibar betrogen worden sein, aber zu diesem Mittel greifen dann doch die wenigsten. Verkabelung, Software, Wartung, Updates – das alles klang zu wenig sexy. Eine Überlegung wert sind dagegen mit Sicherheit Minibars mit Glasfront, die im Idealfall in Blickrichtung des TV-Geräts bzw. dem Monitor fürs Streamen, platziert werden. Haas ist darüber hinaus von den neuen Dometic-Produkten DM20 und DM50 überzeugt und bezeichnet diese als»revolutionär«. »Diese Modelle funktionieren mit Schubladen, das hat den Vorteil, dass man das Sortiment von oben überblicken kann.« Auch für das Housekeeping soll das von Vorteil sein. Während sich Reisenzahn »Gin, Whiskey und etwas Prickelndes« in der Minbar wünscht, tendiert Haas zum kleinen Bier. Eine klassische Wahl, die neben Mineralwasser wohl als Standard betrachtet werden kann. Aber wie wäre es z.B. auch mit einem alkoholfreien Bier? Oder dem Gin aus der Region? Es geht darum, den Gast zu begeistern – und das erfordert Überlegungen. Haas liefert Denkanstöße: »All-inclusive-Konzepte mit einem kleinen Sortiment, das in den Zimmerpreis inkludiert ist, sind eine Möglichkeit. Oder man bietet den Gästen an, die Bar während des Online-Buchungsprozesses nach eigenen Präferenzen zu befüllen. Das sorgt für einen Wow-Effekt.«

S. 38: CHRISTINE BRUGGER Die Destillateurin und Sensorikwissenschaftlerin beschäftigt sich für uns mit den wahrnehmbaren Unterschieden zwischen alkoholfreien und alkoholhaltigen Spirituosen und was sich dadurch für die richtige Komposition von Non-Alcoholic-Drinks mitnehmen lässt.

S. 66: JACK BEDWANI Der Social Media Manager navigiert seine Kunden durch die >>Image Economy«« und erklärt, wie ein Hotel >>instagrammable«« wird.

S. 72: JAN HAAS Der Business Development Manager von Dometic liefert Denkanstöße für neue Minibar-Konzepte und wie dabei die Bestückung optimiert werden kann.

S. 72: THOMAS REISENZAHN Auch der Geschäftsführer der Tourismusberatung Prodinger spricht mit uns über das Revival der kleinen Kühlschränke, gesunde und kreative Angebote und welche Produkte heute am Zimmer gefragt sind.

S. 78: HELMUT HOFER Der Fachvorstand der Abteilung Tourismus der HBLA Oberwart spricht über alternative Zugänge bei der Getränkeempfehlung, neue Aufgabenfelder für Sommeliers und wie er den Nachwuchs bereits heute darauf vorbereitet. Fachkräfte for future.AUSGABEDie Branche hat viele Gesichter — und mit diesen Menschen hat sich das PROFI—Team dieses Mal besonders beschäftigt.

 

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