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Hoher Standard, zu niedriger Preis

Jahrelang wurde in Vier- und Fünf-Sterne-Betten investiert. Jetzt stellt sich heraus, dass der Preis nicht stimmt. Steigen die Kreditzinsen um zwei Prozentpunkte, haben 75 Prozent der Betriebe ein Problem.Innsbruck – In Tirol ist jahrelang massiv in Vier- und Fünf-Stern-Betriebe investiert worden. Jetzt stellt sich jedoch schwarz auf weiß heraus, dass der Preis für das Produkt nicht stimmt. 66 Euro netto samt Frühstück kostet laut Management Center Innsbruck (MCI) das Tiroler Durchschnittsbett, durch alle Übernachtungs-Kategorien gerechnet. Zwar seien die Erlöse der Hoteliers in den letzten Jahren gestiegen, die Gewinne aber von den hohen Personal- und Investitionskosten gleich wieder aufgefressen worden, erklärt Tourismusberater Thomas Reisenzahn. „Steigen die Kreditkosten um zwei Prozentpunkte, haben 75 Prozent der Hotels ein Problem. “ In Deutschland und Italien ist das Hotel-Geschäft laut den Experten lukrativer. Das liege an den größeren Betrieben. Tirol ist sehr kleinstrukturiert. Südtirol erzielt bessere Preise und hat ein höheres Maß an Ganzjahresbetrieben.(aheu)Mehr auf Seite 3Tourismusbetriebe haben in den letzten 17 Jahren deutlich mehr investiert. Das Betriebsergebnis hinkt allerdings hinterher. In Nordtirol stimmt laut Experten zudem der Preis pro Übernachtung nicht, in Südtirol eher.Innsbruck – Wie lukrativ ist es tatsächlich, ein Hotel zu führen? In Österreich mäßig attraktiv, zumindest wenn man die Zahlen der Branche studiert. „In den letzten drei bis vier Jahren sind zwar die Erlöse gestiegen, die Gewinne aber aufgrund der hohen Aufwendungen gesunken“, erklärt Thomas Reisenzahn, früher Geschäftsführer der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), heute in der Tourismusberatung tätig. Vor allem die Personal- und Energiekosten sowie die Provisionen für Buchungsplattformen würden der Branche zu schaffen machen. „Man hat zu lange in Vier- und Fünf-Sterne-Betriebe investiert, die sehr personalintensiv sind und für die die Gäste nicht bereit sind, viel zu bezahlen. “ Tatsächlich sind neue oder um- und ausgebaute Betriebe dies- und jenseits des Brenners häufig zu sehen.Wellness-Oase hier, Infinity-Pool da und die Sauna der Extraklasse. Die Konkurrenz ist riesig. „Die Hotellerie ist sehr anlagenintensiv. Das lässt sich nur mit Fremdkapital stemmen, das es noch zu niedrigen Zinsen gibt“, erklärt Reisenzahn. Die niedrigen Zinsen würden zudem die Bilanzen besser aussehen lassen, als sie es tatsächlich seien. „Wenn die Kreditzinsen um zwei Prozentpunkte steigen, haben 75 Prozent der Hotels Probleme, einen Gewinn zu erwirtschaften. “ In Deutschland und Italien wird laut Reisenzahn das bessere Geschäft gemacht. Das hängt vor allem mit der Betriebsgröße zusammen. Mit 48,7 Betten pro Betrieb weist Österreich gegenüber seinen Nachbarn den tiefsten Wert auf. In Deutschland kommt man auf 52,9 Betten pro Betrieb, in Italien gar auf 68,3. „Außerdem hat man beispielsweise in Deutschland weit weniger Konkurrenz als in Österreich. “ Mit Zahlen hat sich auch Hubert Siller, Tourismusexperte am MCI, auseinandergesetzt. Eine macht ihm ganz besondere Sorgen: Das Tiroler Durchschnittsbett, also quer durch alle Kategorien, koste pro Person und Nacht 66 Euro inklusive Frühstück.„Das ist zu wenig. “ Die Nettopreisentwicklung ergebe ein Prozent plus pro Jahr. „Das ist ein Problem“, meint Siller.Zwar ist die Zahl der Gästebetten in Tirol rückläufig, liegt aber laut Statistik Austria immer noch bei 355.000.Damit steht fast jedes dritte Gästebett in Österreich in Tirol. „In den letzten zehn Jahren konnten sehr viele Regi-onen die Auslastung erhöhen und die Vollbelegstage sind von 122 auf 142 gestiegen“, sagt Siller. Im Sommer bringt demnach der Achensee mit 61 Prozent Auslastung das beste Ergebnis, im Winter ist es Tux im Zillertal mit 62 Prozent.„Es geht in Richtung Ganzjahrestourismus, aber die Preisdurchsetzung, speziell im Sommer, ist ein echtes Prob-lem. “ Auch Siller sieht, dass sehr stark in Vier- und Fünf-Sterne-Betriebe investiert wurde. „Das ist ein dienstleistungsintensives Geschäft. “ Die Zahl der Betten sei tatsächlich geringer geworden, der Personalaufwand pro Bett jedoch gestiegen. „Ich glaube, dass sich weniger personalintensive Konzepte durchsetzen werden. “ Aufgrund derIst-Situation: 60 Prozent der Betriebe in Österreich sind Ganzjahresbetriebe, 30 Prozent Saison- und zehn Prozent Einsaisonbetriebe. Österreichs Hotellerie ist sehrGeschäft: Die Branche schlägt sich mit schwachen Auslastungen durch sinkende Aufenthaltsdau-Markt: Die Branche hat laut Experten über Jahre zu viel in Vier- und Fünf-Stern-Hotellerie investiert, für die die Gäste aber nicht mehr bereit sind, das Gleiche wie vor einigen Jahren indexiert zu bezahlen. Die Investitionen sind deutlich gestiegen, die Betriebsleistung hinkt hinterher.ern und neue Kapazitäten herum.Der Preisdruck ist enorm. Die Gesamterlöse sind gestiegen, dieFalls die Kreditzinsen um nur zwei Prozentpunkte steigen, haben 75 Prozent der Hotels Probleme, Gewinne zu erwirtschaften.Zu billig : Das Durchschnittsbett in Tirol kostet laut MCI im Sommer 66 Euro, inklusive Frühstück. Die Betten-kleinstrukturiert. 73 Prozent der Betriebe haben unter 100 Betten. 43 Prozent der Hoteliers sind über 50 Jahre alt und 67 Prozent sind Männer.Gewinne aufgrund der Kosten gesunken. Südtiroler Hoteliers machen das bessere Geschäft.Kosten und des Personalmangels rechnet Siller damit, dass Betriebe beispielsweise die Halbpension streichen.Ganzjahresbetriebe haben laut Experten einen Vorteil beim Anwerben von Mitarbeitern. Südtirol sei in Sachen ganzjähriger Tourismus besser unterwegs als Nordtirol.„Die Südtiroler haben rasch auf Kulinarik gesetzt und mit dem Südtiroler Herbst die Saison verlängert. “ Die südlichen Nachbarn hätten in den letzten Jahren sehr viel investiert. „Das bringt auch Tirol immer stärker unter Druck. “ Dass die Südtiroler im Schnitt mehr pro Übernachtung bekommen, weiß auch Mike Peters vom Forschungszentrum Tourismus und Freizeit an der Universität Innsbruck. „Südtiroler Betriebe findet man auch seltener auf den Billigportalen von Diskontern. “ Südtirol sei aufgrund der klimatischen Bedingungenanzahl ist zwar gesunken, jedoch der Personalaufwand drastisch gestiegen.Zukunft: Die Personalkosten in der Hotellerie sind enorm, dazu kommt der Mangel an Arbeitskräften. Personalintensive Kategorien wie die Halbpension könnten gestrichen werden.leichter in der Lage gewesen, sich Richtung Ganzjahrestourismus zu entwickeln. „Ganzjahresbetriebe bieten mehr Lehrstellen und attraktive Karriereleitern. Für Mitarbeiter sind sie attraktiver. “ In einer Branche, die um Fachkräfte buhlt, sei das ein Wettbewerbs-vorteil für Südtirol. Die Stellensituation sei dies- und jenseits des Brenners angespannt, in Nordtirol aber kritischer. „Das liegt daran, dass es mehr Saisonbetriebe gibt. “ Dabei hätten es einige Tiroler Tourismusorte, die eigentlich für den Winter stünden, gut geschafft, im Sommer aufzuholen. „Eine kritische Menge an Hotels und Supermärkten muss jedoch offen haben.Sonst funktioniert es nicht, weil der Gast das Dorf dann als Geisterstadt empfindet. “ Das Hotelangebot in Tirol hat auch Peters durchleuchtet. Er kommt zum selben Schluss: mehr Vier- und Fünf-Stern-Betriebe auf der einen Seite, einfache Betriebe, wie Hostels oder Ferienwohnungen, am anderen Ende. „Die Mitte ist weggebrochen. “ Die Arbeitsintensität sei damit gestiegen.Reisenzahn verweist auf seine Zahlen: In den letzten zehn Jahren sind in Österreich 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Hotellerie entstanden. Das hat den Facharbeitermangel noch verschärft.Derzeit sind drei Viertel der Hotels auf der Suche nach Fachkräften. „Dazu kommt, dass weniger Junge nachkommen und weniger Mitarbeiter aus dem EU-Raum nach Österreich gehen. “ Für eine neue Bundesregierung hat der Tourismusberater viele Hebel, bei denen es anzusetzen gelte, damit die Branche zukunftsfit werde.Es gehörten die Förderrichtlinien und damit die Wachstumsgrenzen in der Beschäftigung ebenso überdacht, wie 50-plus-Programme zu installieren und geringfügiges Arbeiten im Pensionsalter leichter möglich zu machen seien. Außerdem möge der Zuzug von Drittstaaten ermöglicht und die Rot-Weiß-Rot-Card reformiert werden.„Damit der Wachstumsmotor Tourismus nicht abstirbt. “Hotels schleudern bei Preis enTirols Hotellerie hat viele Millionen investiert, vielfach ohne das beim Preis dann umzusetzen.Foto: i StockVon Anita Heubacher„ Die niedrigen Zinsen lassen die Bilanzen besser aussehen, als sie es tatsächlich sind. “Thomas Reisenzahn (Tourismusberater)(Tourismusberater)Foto: Prodinger„ Es geht in Richtung Ganzjahrestourismus, aber die Preise, vor allem im Sommer, sind ein Problem. “Hubert Siller (Management Center Innsbruck, MCI)Foto: BöhmWie ausgeschlafen ist die österreichische Hotellerie?„ Ganzjahresbetriebe sind für Mitarbeiter attraktiver. Da hat Südtirol einen klaren Wettbewerbsvorteil. “Mike Peters (Universität Innsbruck)Foto: TT-ArchivQuelle: Prodinger Beratungsgruppe, MCI, Grafik: i Stock

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