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Hohe Arbeitslosigkeit in Salzburger Tourismusregionen

in Salzburger TourismusregionenD er Salzburger Arbeitsmarkt verzeichnet seit Anfang des Jahres den höchsten Zuwachs an Arbeitslosen im Tourismus. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das, dass es heuer zusätzlich 71,1 Prozent (knapp 12.000) mehr Arbeitslose gibt.Am stärksten davon betroffen sind die Wintertourismus-Bezirke Pinzgau und Pongau.Die Arbeitslosenrate ist jedoch hinter Oberösterreich und Vorarlberg die drittniedrigste in Österreich. Im Bundesländervergleich verzeichnet Salzburg den zweithöchsten Anstieg an Arbeitslosen, allerdings von einem niedrigeren Niveau aus als in den meisten anderen Ländern. Im Jänner lag die Arbeitslosenrate ohne Schulungsteilnehmer im Bundesland bei 9,7 Prozent, nur Oberösterreich mit 7,6 Prozent und Vorarlberg mit 9,0 Prozent liegen hier besser.Die Wintertourismus-Bezirke vermelden die stärksten Zuwächse an Arbeitslosen. An der Spitze steht der Pinzgau mit einem Plus von 184,1 Prozent oder 4.295 Personen, gefolgt vom Pongau mit 154,7 Prozent oder 3.151 Personen, im Tennengau mit 33,6 Prozent, dem Flachgau mit 35,4 Prozent.Dass der Negativrekord vom vergangenen April nicht überboten wurde, ist laut Jacqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des Ar-beitsmarktservice Salzburg, „auf die intensive Inanspruchnahme der Kurzarbeit zurückzuführen. Aktuell gibt es 6.910 Phase-III-Kurzarbeitsprojekte, die 41.183 Menschen den Arbeitsplatz sichern. “ Rechnet man die Schulungsteilnahmen ein, so waren 28.662 Menschen (+71,1 Prozent) in Salz-burg ohne Beschäftigung. „Diese Zahl birgt aber auch eine gute Nachricht“, relativiert Jacqueline Beyer, „denn sie zeigt, dass unsere Aktivitäten der Corona-Joboffensive schon greifen und bereits den ersten durch die Corona-Krise in Arbeitslosigkeit Geratenen neue Perspektiven geben. “ Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Personen in Schulungsaktivitäten in Salzburg um 14,5 Prozent (+319 Personen) auf 2.518 Personen gestiegen, das ist weit mehr als in jedem anderen Bundesland. Im österreichweitenSchnitt haben die Schulungen um plus 2,7 Prozent zugenommen.Starker Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit „Genauso wie vor knapp einem Jahr sind vom gegenwärtigen Lockdown wieder verstärkt Frauen betroffen“, stellt AMS-Che Sn Jacqueline Beyer fest. Dies deshalb, weil der Tourismus und der Handel viele Frauen beschäftigen, erklärt Beyer. Der Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit fällt mit einem Plus von 134,7 Prozent daher auch zweieinhalbmal so stark aus wie bei den Männern, wo ein Anstieg von 54,2 Prozent zu verzeichnen war. Dass mit 15.353 Vorgemerkten trotzdem um die Hälfte mehr Männer als Frauen (10.791 Vorgemerkte) arbeitslos sind, ist laut der AMS-Expertin auf den Höhepunkt der Winterarbeitslosigkeit im Baugewerbe zurückzuführen. Wenig Unterschiede zeigen sich beim Zuwachs der Jugend- und der Altersarbeitslosigkeit. Die unter 25-Jährigen verzeichnen ein Plus von 71,7 Prozent, die Altersgruppe ab 50 Jahre von 70,2 Prozent.Die Corona-Krise wirkt sich weiterhin besonders auf die Langzeitarbeitslosigkeit aus, die mit plus 81,3 Prozent (+910 Personen) über dem Schnitt der Gesamtarbeitslosigkeitgestiegen ist und im Jänner die Zweitausender-Marke mit 2.030 Betroffenen überschritten hat. Die meisten Arbeitskräfte waren mit 7.643 Betroffenen im Hotel- und Gastgewerbe ohne Arbeit. Das bedeutet einen Anstieg im Vorjahresvergleich von plus 421 Prozent. Weniger als ein Drittel davon (2.418 Personen) verfügt über eine Einstellzusage.Startschuss zur Tourismus-Joboffensive „Mit der noch Ende vergangenen Jahres gestarteten Joboffensive wollen wir die Krise mit Weiterbildung überbrücken und die Arbeitskräfte St für den Arbeitsmarkt und den Aufschwung machen“, gibt AMS-Che Sn Jacqueline Beyer das oberste Ziel vor und kann sich darüber freuen, „dass die damit verbundenen Chancen im Bundesland sehr gut angenommen werden. Das bestätigt ein Zuwachs von bereits sechshundert Personen gegenüber dem Vormonat, die an Schulungsaktivitäten teilnehmen. “ Das ursprüngliche Potenzial für die vorgeschaltete Orientierungsphase konnte seitens des AMS Salzburg nun nochmals um 1.700 Personen aufgestockt werden, so dass insgesamt 14.700 Personen davon Gebrauch machen können.Den Befürchtungen, dass durch Umschulungen dem Tourismus Arbeitskräfte abhandenkommen, tritt man beim AMS Salzburg mit der eigens geschaffenen Tourismus-Joboffensive entgegen. „Das Ziel ist es, den über fünftausend Arbeitslosen ohne Einstellzu- sage aus der Tourismusbranche die Möglichkeit zu geben, sich weiterzubilden und so auf die Sommersaison noch besser vorbereitet zu sein. Dazu haben wir in nur zwei Wochen alle Kräfte darauf konzentriert, diese Initiative auf die Beine zu stellen und in enger Zu-sammenarbeit mit der Salzburger Wirtschaftskammer und der Österreichischen Hoteliervereinigung rasch ein zuverlässiges Bild vom Weiterbildungsbedarf im Tourismus zu erheben. Die Saisongeschäftsstellen des Salzburger AMS haben zu diesem Zweck mit rund 150 Betrieben Kontakt aufgenommen. “ Im Rahmen der Weiterbildung soll der Fokus auf den Themenfeldern Sprachkurse, psychosoziale Kompetenzen, Beschwerdemanagement, Online-Weiterbildungen und kreative Küche liegen.Handel und Gewerbe hängen am Tourismus OGM-Experte Johannes Klotz vom Marktund Meinungsforschungsinstitut OGM gibt außerdem zu bedenken, dass der Lockdown nicht nur die Tourismusgemeinden selbst trifft, sondern auch auf die Umgebung aus-strahlt – etwa auf Zulieferbetriebe. Wie stark ganze Regionen Österreichs vom Wintertourismus abhängen, zeigt auch der Bundesländervergleich: Während die Jänner-Arbeitslosigkeit im Durchschnitt um knapp ein Drittel gestiegen ist (31,8 Prozent), machte das Plus in Tirol 132 Prozent aus, in Salzburg 80 und in Vorarlberg 57 Prozent.In Summe waren vor der Corona-Krise rund 300.000 Vollzeitjobs direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig. „Diesen Höchststand werden wir wohl in den nächsten zehn Jahren nicht erreichen“, erwartet Thomas Reisenzahn, der Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. Er befürchtet außerdem einen Fachkräftemangel – etwa bei Köchen –, sollte quali Sziertes Personal in andere Branchen abwandern. „40 Prozent sind Saisonmitarbeiter. Die werden sich überlegen, ob sie dem Tourismus treu bleiben“, so Reisenzahn.!!Die Corona-Pandemie hat den Tourismusarbeitsmarkt besonders hart getroffen. Das AMS greift der Branche mit einer Joboffensive unter die Arme.12WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 3/2021Vom gegenwärtigen Lockdown sind Frauen verstärkt betroffen.Von Felix Meiner13Vor Corona waren rund 100.000 Vollzeitjobs direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig.Foto: i Stock. com/HoptocopterWIRTSCHAFTSNACHRICHTEN 3/2021

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