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Anlauf zu neuem Gipfelsturm

Ungeachtet der Wetterkapriolen und der etwas schwächeren Konjunktur geht es mit Gästen und Nächtigungen weiter aufwärts Thomas Reisenzahn: „Neue Finanzierungsmodelle.“ Michaela Reitterer: „Brauchen ausländische Fachkräfte.“ Petra Nocker-Schwarzenbacher: „Holen das auf.“ Egal, ob die Wirtschaft gerade boomt oder die Wachstumskurven flacher ausfallen: Eine Branche scheint sich derzeit weder von Wetterkapriolen noch von Handelsstreitereien oder Brexit-Getöse irritieren zu lassen: Im heimischen Tourismus geht es seit Jahren aufwärts. Besonders der Winter mit der hohen Wertschöpfung im Skitourismus lässt die Kassen klingeln. Nach dem Rekord im Vorjahr mit 71 Millionen Nächtigungen ergab eine Umfrage der WKO vor Weihnachten, dass die Betriebe auch diesen Winter mit einem Plus von soliden zwei Prozent rechnen. Der Einbruch im Jänner werde durch die dank der Schneemengen verlängerte Saison locker wettgemacht, glaubt nicht nur WKO-Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Eines ist klar, unterstreicht Hotelier-Präsidentin Michaela Reitterer: „Wir sind ein Land mit Qualitäts-Tourismus. Wer Erfolg haben will, muss ständig investieren und etwas Neues bieten.“ Die Top-Betriebe, das betrifft etwa das oberste Viertel, werden immer besser und wachsen. Die nächsten tun sich da schon schwerer, vor allem wenn sie bereits eine hohe Schuldenlast tragen. Doch innovative Modelle helfen. Eines erklärt Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung: „Immer beliebter wird ,Buy-to-let‘. Ein Investor kauft Hotelapartments, aus denen dann z. B. zwei Zimmer zur Vermietung durch das Hotel gemacht werden. Ihm bleibt ein Eigentumnutzungsrecht z. B. für vier Wochen, und er steht im Grundbuch.“ Um die Investitionen anzukurbeln, fordert die Branche dringend eine Verkürzung der Abschreibedauer (derzeit 40 Jahre). „Wer will schon im Hotel in ein Badezimmer gehen, das 40 Jahre alt ist“, wird argumentiert. Davon abgesehen gibt es 5000 Hotels in Österreich, bei denen in den nächsten Jahren Betriebsübergaben anfallen. Reitterer: „Da würden wir uns klare Regelungen wünschen, die Übergaben einfacher machen, damit sie nicht an Steuerfragen scheitern. Das tut niemandem weh und hilft uns.“ Die steigenden Nächtigungszahlen der letzten Jahren sind auch darauf zurückzuführen, dass es dank Zusatzangeboten wie Wellness & Co. besser gelingt, die Nebensaisonen zu nützen. Nocker-Schwarzenbacher: „In der Hauptsaison sind wir schon lange voll, aber dazwischen ist noch Potenzial.“ Ein großer Vorteil für die Hoteliers ist, dass sie dadurch auf Ganzjahresbetrieb umstellen können und Mitarbeiter ganzjährig beschäftigen, was für Dienstgeber und -nehmer Vorteile hat. Für das schon seit Jahren akute Problem, wie man den Mangel an qualifiziertem Gastronomie-Personal bekämpfen kann, gibt es noch keine zufriedenstellende Lösung. „Wir müssen einerseits die Lehre und deren Image attraktiver gestalten, andererseits brauchen wir auch mehr Personal aus dem Ausland“, unterstreicht Reitterer. Deutschland ist gerade dabei, den Markt für Fachkräfte aus Drittstaaten zu öffnen, „wir schauen durch die Finger“, ärgert sie sich. Dass der Koch jetzt zum „Mangelberuf“ erklärt wurde, bringe zwar einige neue Mitarbeiter z. B. aus Bosnien, sei in Summe aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der Bedarf steigt: Die Zahl der Mitarbeiter im Tourismus zu Saisonspitzenzeiten erhöhte sich seit 2010 von 240.000 auf über 292.000 im letzten Jahr. Branchenpressespiegel

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