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Alpine Bettflucht

L Die Bergspitzen strahlen schon in Weiß, bald werden die Flocken auch in Tallagen liegen bleiben.Diese Aussicht hätte vor einem Jahr gereicht, das Herz vieler Hoteliers s c hne ller s c hla g e n z u lasse n. W interstimmung in Stadt und Land, das war quasi der Blankoscheck für volle Betten. Im Corona-Winter 2020/21 ist alles anders.Seit A usb r e itung der Pan de mie sind die Nächtigungszahlen mehr oder weniger auf Talfahrt. Selbst gute Ergebnisse während des Sommers aus Kärnten und dem Burgenland können das sich abzeichnende zwe istellig e M inus in de r öst e rreichischen Tourismusbilanz 2020 nicht verhindern. Und der Winter, wo in Normaljahren mehr Geld verdient wird als im Sommer, droht zum Desaster zu werden.„Relativ viele Destinationen, die wie der Arlberg ein starkes internationales Geschäft haben und weniger vom Binnenmarkt leben, gehen mittlerweile davon aus, dass es ganz reduzierte Weihnachten geben wird“, sagt Thomas Reisenzahn von angsam kommt der Schnee. der Tourismusberatung Prodinger im Gespräch mit dem STANDARD.Nicht wenige Hoteliers würden sich mit dem Gedanken tragen, Weihnachten geschlossen zu halten und erst im Jänner aufzusperren.Dahinte r ste h e d i e H o ffnung, da ss bis dorthin die Fallzahlen an Covid-19-Infizierten fallen und Reisewarnungen aufgehoben werden.Die Prodinger Tourismusberatung ha t e rst jüngst ihre „P rognose der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die österreichischen Beherbergungsbetriebe in der Wintersaison 2020/21“ um den Lockdown-Effekt ergänzt. „Wir näh ern uns de m W orst-Cas e -S z e n ario“, sagt Reisenzahn.Als Sample für die Analyse wurde das Beherbergungswesen herangezogen, in Summe rund 16.500 Unternehmen mit etwas über 120.000 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt und rund 10,4 Milliarden Euro Umsatz. In der letzten, regulären Wintersaison 2018/19 kamen diese auf 72,9 Millionen Nächtigungen. Im heurigen Winter könnte laut Simulation fast jedeGünther Stroblzweite Nächtigung wegfallen. Ende April, wenn ein Strich unter die heurige Saison gezogen wird, könnten 39,5 Millionen Nächtigungen stehen. Um einen ähnlich schlechten Wert zu finden, muss man in der S t a tistik se hr w eit z urü c kge h en.Zum Vergleich: Am Ende der vergangenen Wintersaison, die wegen des Auftretens des Coronavirus Mit-te März und damit Wochen vor Ostern schon beendet werden musste, sind 59,7 Millionen Nächtigungen gezählt worden. Ohne dieses abrupte Ende wären es wohl 76,8 Millionen Nächtigungen geworden, zeigen Simulationen – ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Regelwinter 2018/19 (73,0 Millionen).In den Städten wird die Situation der Hotellerie noch insofern ver- schärft, als traditionelle Gästebringer wie Weihnachtsmärkte Coronabedingt bestenfalls auf Sparflamme stattfinden und in Wien der Silvesterpfad ganz ausfällt. Im Monat Oktober lag das Minus bei den Gäste n äc htigunge n in de r B undeshauptstadt bei 84,5 Prozent, wie am Freitag bekanntgegeben wurde. November und Dezember werden, das lässt sich jetzt schon absehen, einen ä hnli c h kräftig e n R ü ckga ng z e ig e n wie schon die Monate vorher.Zurück zu den Szenarien. Prodinger hat außer dem Worst Case noch zwei andere berechnet. Der Bad Case geht davon aus, dass es n ac h e in e m s c h w i e rig e n S t a rt (mit Lockdown im November) im Dezember zwar wieder Lockerungsschritte gibt, aber nur sehr langsam, und dass erhebliche Reisebeschränkungen bis ins Frühjahr 2021 hinein bestehen bleiben. Weite Teile Österreichs werden im Februar von Gelb auf Orange gestellt wegen Auftretens von Clustern in einzelnen Skidestinationen. Es folgen Einschränkungen, die Reiselust insbesondere deutscher Gäste sinkt, der Binnen-tourismus bleibt in der Annahme aber recht stabil. Bei diesem Szenario wären 54,3 Millionen Nächtigungen möglich, meint Prodinger.Das Best-Case-Szenario mit einem Minus von 14 Prozent auf 62,8 Millione n Näc htigunge n sie ht ma n a u fgrund der jüngsten Entwicklungen hingegen außer Reichweite.Und was beinhaltet das Worst-Case-Szenario, das derzeit am wahrs c h e inlic hst e n s c h e int?Dass M itt e Februar eine dritte Welle beginnt und das Ganze eskaliert. „Die Situation gleicht einem Lockdown“, schreibt Prodinger in der Analyse.„Aus Perspektivlosigkeit werden Betri ebe E n de Februar ge s c hloss e n und bis Saisonende nicht mehr geöffnet. Dienstverträge mit Mitarbeitern werden aufgelöst. “ Diese massiven Rückgänge wären, sollten sie tatsächlich eintreten, betriebswirtschaftlich nicht mehr zu verkraften. Sie brächten einen weiteren Einkommensverlust von über 40 Prozent allein in der Wintersaison mit sich. Weitere Unterstützungen für die Branche vonseiten des Staates wären wohl notwendig.Heuer mag keine rechte Freude am Schnee aufkommen. Das Coronavirus hat vielen die Lust und vielfach auch die Möglichkeit zu reisen genommen, Hoteliers bangen um Gäste.Die V orze i chen f ü r di e Win tersai s on im Schatten v on Corona s te h en denkb a r s chlecht.V on Dezember b is April wird, wie es derzeit aussieht, fast jede zweite Nächtigung wegfallen. Der November ist sowieso schon abgehakt.72,9Millionen Nächtigungen wurden im letzten regulären Winter 2018/19 gezählt.

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